Photo: Christopher Bauder

„Mirror-Mirror“ ist eine dynamisch-kinetische Installation, welche vom deutschen Licht- / bildenden Künstler und Visionär Christopher Bauder von WHITEvoid in Zusammenarbeit mit dem zeitgenössischen Tänzer und Crossover-Künstler Qui Jirong geschaffen wurde. Sie ist eines von sieben provokativen alleinstehenden Segmenten aus denen sich Apologue 2047/2 zusammensetzt, bei welchem der chinesische Filmregisseur, Produzent, Autor, Schauspieler und ehemalige Kameramann Zhang Yimou Regie führte.

Die Arbeit wurde im Juni von L!VE Kingway am National Centre for the Performing Arts (NCPA) in Peking produziert und geht im August auf Tournee durch China. Dadurch erhält ein breiteres Publikum die Möglichkeit zu entdecken wie Zhang Yimou die Regeln der traditionellen Bühnenpräsentation bricht, indem er chinesische Volkskunst mit moderner Technologie verbindet und somit ein einzigartiges Performancekonzept entstehen lässt.

Photo: Christopher Bauder

Für Mirror-Mirror verwendete Christopher 30 Robe Pointes als primäre Lichtquelle, welche im Einklang mit den 102 Winden vom Typ „Winch LED / Pixel“ von KINETIC LIGHTS und den 34 „Mirror Disc“ Spiegelscheiben, die als Beleuchtungskörper genutzt wurden, zusammenwirkten.

Jeder Spiegel wird durch drei Seilwinden gesteuert, wodurch diese 7 Meter in die Höhe oder Tiefe gezogen sowie geschwenkt und geneigt werden können. So können sie unglaublich sanft auf der X-, Y- und Z-Achse bewegt werden, was ihre Bewegungen fließend und dreidimensional erscheinen lässt. Die Bewegung der Spiegel wird über ArtNet von der von Kinetic Lights entwickelten KLC-Softwareplattform gesteuert und das gesamte System ist vernetzt.

Christopher entwarf für das achtminütige Stück ein Storyboard und führte eine Prävisualisierung der kinetischen Elemente durch, welche unter anderem Empfindungen, Gefühle und Atmosphären enthielt, wohingegen Zhang Yimou und sein Team Regie bei der allgemeinen Show führte, die Musik komponierte und Vorschläge für die Positionierung und Choreographie des Tänzers einbrachten.

Es war eine Art evolutionärer Prozess, durch welchen sich sämtliche Bewegungen – vom Tänzer bis hin zu den Spiegeln und der Beleuchtungstechnik – entwickelten.

Die Pointes sind in drei Lagen auf Leitern angebracht. Jede dieser Lagen verfügt über fünf Pointes, welche sich vom hinteren Bereich der Bühne bis in den vorderen Bereich erstreckten. Die Verwendung dieser für Tanzperformances traditionellen Hebepositionen war eine Sache, doch das wahrlich Innovative an dieser Technik waren die Spiegel, durch welche das Licht in alle Richtungen geleitet, reflektiert und gebrochen werden konnte.

Die Kombination der seitlich ausgerichteten Pointes mit den beweglichen Spiegeln bewirkte eine enorme Steigerung der Flexibilität der präzise positionierten Beleuchtungskörper.

Photo: Christopher Bauder

Christopher arbeitete erstmals mit Zhang Yimou während seines Projekts „Weaving Machine“ zusammen, einer weiteren großformatigen Installation, welche einen der acht Abschnitte von Apologue Teil 1 darstellte und vor einem Jahr am selben Veranstaltungsort präsentiert wurde. Im Fokus standen dabei 640 innenbeleuchtete Bälle auf demselben Seilzugsystem sowie eine Solotänzerin, Rose Alice aus London.

Diese Installation war ein großer Erfolg, deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sämtliche Augen auf die zweite Ausgabe von 2047 Apologue gerichtet waren. Christopher wollte bewusst Elemente aus Teil 1 beibehalten; so stellten die fließenden, nahtlosen Bewegungen der Spiegel über die speziell angefertigten Seilwinden diese Verbindung her. Die Weiterentwicklung kam mit dem Einsatz von den Moving Head Scheinwerfern und dem Umgang mit diesen.

Das derartige Brechen und Reflektieren des Lichts mit Hilfe von Spiegeln ist eine Technik, die er über zahlreiche Installationen hinweg entwickelt hat. Besonders hervorzuheben ist die Verwendung dieser Technik zu Beginn des Jahres bei SKALAR im Kraftwerk Berlin, einer kathedralenhaften Location, die ein beeindruckendes Industrieflair bot.

Photo: Christopher Bauder

SKALAR wurde mit 90 Robe Pointes in Verbindung mit 65 doppelseitigen Spiegeln – jeder mit einem Außenring aus 180 steuerbaren Pixeln ausgestattet – ausgeleuchtet, welche an 195 Seilwinden vom Typ „Winch LED / pixel“ aufgehängt waren.

Die Installation erhielt sowohl von Kritikern als auch von der Öffentlichkeit viel Zuspruch und die Pointes waren seine erste Wahl für die Beleuchtung. Christopher wusste jedoch, dass es noch immer einen großen Spielraum bei der Verwendung dieser anpassungsfähigen Scheinwerfer gab. Daher verwendete er sie aufgrund ihrer Helligkeit, Präzision, Intensität und Klarheit der Lichtquelle erneut bei Mirror-Mirror.

„Zusätzlich zu der Genauigkeit der Licht-Cues benötigten wir ein Leuchtmittel mit hochkalibrierten Farben, die perfekt passten. Es musste eine schnell bewegliche, benutzerfreundliche und leicht programmierbare Vorrichtung sein… und dazu noch jederzeit verfügbar sein. Diese Faktoren und die Schärfe des ausgestrahlten Lichts machen sie zum perfekten Werkzeug für diese Installation.“

„Ich habe das Potenzial der Pointes bei Mirror-Mirror wirklich vollkommen ausgeschöpft“, sagte er, „Wir konnten die Looks durch unterschiedliche Gobos, stroboskopische Effekte, Mattierungen, usw. unendlich variieren,“ und fügte hinzu: „Die größte Herausforderung am NCPA bestand darin, innerhalb von drei Minuten genug Nebel in den Performance-Bereich zu pumpen, da uns nur so viel Zeit zwischen den einzelnen Segmenten blieb.“

Die DMX-Signale für die Pointes wurde durch ArtNet konvertiert und in den Computer integriert, auf welchem die von KINETIC LIGHTS entwickelte KLC-Software lief, mit deren Hilfe Christopher und sein Team die verschiedenen Beleuchtungen und Szenen sowie sämtliche Bewegungen der Spiegel programmierten und steuerten. Die Scheinwerfer wurden von dem deutschen Verleiher MOTION auf Dry-Hire-Basis zur Verfügung gestellt und werden auch auf der Tournee durch Tianjin, Xi‘an und Nanjing im August im Einsatz sein.

Photo: Christopher Bauder

Christopher war es eine große Freude, erneut mit Zhang Yimou zusammenzuarbeiten. Ihre unterschiedliche kreative Herkunft und die Mischung aus alternativen kulturellen Einflüssen bilden einen wahrhaften Katalysator für einzigartige visuelle Synergie. „Es war ein unglaubliches Privileg für mich, mit dem Meister der Performance-Kunst und des Geschichtenerzählens vor Live-Publikum, Herrn Yimou, zusammenzuarbeiten“, kommentierte Christopher. „Als ehemaliger Kameramann weiß er sehr viel über Beleuchtung und hat ganz spezifische Vorstellungen von Farben und Strukturen. Dieses Wissen habe ich bei der Programmierung der Pointes einfließen lassen und hatte kompletten Freiraum bei der Steuerung der Spiegel. Es war eine äußerst zufriedenstellende und lehrreiche Art zu arbeiten.“

Yimou ist außerdem für die Regie bei der Eröffnungs- und Abschlusszeremonie der Olympischen Spiele in Peking im Jahr 2008 und die achtminütige Show von Peking bei der Abschlusszeremonie der Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang bekannt. Regieassistentin bei seinem Projekt 2047 Apologue Teil 2 ist Lulu He.