Wedemark, 1. Juli 2018 – Das e 604 ist im Juli Sennheisers Mikrofon des Monats. Das e 604 ist nicht nur irgendein Mikrofon – es ist der Nachfahre einer Evolution, die bereits in den 1960ern begann. Bis heute hält der kleine Drum-Spezialist Stärken bereit, die anderswo als Extras gelten. Mehr über die Entstehung des Drumset-Profis und praktische Mikrofonierungstipps gibt es im Folgenden – oder auf der evolution-Geburtstagsseite https://www.happyevolution.com.

e 600/800: Im Budget – über dem Standard
Die evolution-Serie hat Sennheiser Ende der 1990er Jahre auf allen Ebenen verändert – von der Entwicklung bis zum Vertrieb. War die deutsche Marke bislang für ihre eher hochpreisigen Broadcast- und Studiolösungen bekannt, entwickelten die Ingenieure jetzt auch Mikrofone für Live-Bühnen. Wie verbindet man hohe Ansprüche, die eigene Erfahrung und die Möglichkeiten der automatisierten Fertigung? Die Antwort darauf zeigten ab 1998 die Instrumentenmikrofone der Serie e 600 und die Gesangs-/Sprachmikrofone der Reihe e 800. So wurden auch legendäre, aber zuvor teure Vorbilder der MD-Serie plötzlich verfügbar zu einem Budget, das auch für breite Kreise erschwinglich war. „evolution“ war dabei nicht nur ein Name, sondern auch Programm: Modelle, mit deren Leistung man nicht zufrieden war, wurden binnen kurzer Zeit überarbeitet und neu aufgelegt. Kurz darauf kam die Serie e 900 als Krone der evolution hinzu und lieferte Workflow, Sound und Robustheit, die auch anspruchsvollsten Live-Einsätzen genügte.

Die Instrumenten- und Gesangsmikrofone der evolution-Serie feiern ihren 20. Geburtstag

Die Instrumenten- und Gesangsmikrofone der evolution-Serie feiern ihren 20. Geburtstag

e 604 – die Geschichte
Sebastian Schmitz deutet auf den Frequenzverlauf, nickt und fängt an zu grinsen. Die Mimik erinnert an das Gesicht, das er macht, wenn er Kopfhörer aufhat und zufrieden ist mit dem, was er da hört. Sehr zufrieden. Schmitz gehört zu den Produktmanagern, die die evolution-Serie vom ersten Versuchsaufbau an begleitet haben – und ist Toningenieur. Sein Finger tippt auf den Bereich bei 2 Kilohertz. „Hier, diese leichte Anhebung ab 2.000 Hertz – die oberen Mitten und Höhen sind leicht betont. Das e 604 liefert dir damit einen druckvollen Sound von Toms und Snares, der bleibt offen und klar bis in die Tiefen.“

Das e 604 ist im Juli das Mikrofon des Monats

Das e 604 ist im Juli das Mikrofon des Monats

Nachfahre des legendären MD 421
Kein Wunder. Schließlich folgt auch das e 604 dem legendären MD 421, das in den 1960ern Sprach- und Musikaufnahmen revolutionierte. Was es an den Toms leistete und leistet, bleibt bei den größten und kleinen Bands bis heute unvergessen. Sein Spitzname galt damals und gilt bis heute: „King of the tom mics“.

Allerdings: So richtig kamera- und sichtfreundlich war das MD 421 an Toms oder Snare nicht. Die Ständer, die große Bauform – das alles passte nicht gut auf Live- und Broadcastbühnen. So entstand das MD 504: Das erste instrumentenspezifische und kamerafreundliche Kompaktmikrofon von Sennheiser. „Die Idee war, um die Kapsel nur das Nötigste zu bauen“, erinnert sich Entwickler Heinz Epping.

Das MD 421 war ab den 1960ern eine Legende, ließ es sich doch für Sprach- wie Musikaufnahmen flexibel einsetzen. Spitzname: „King of the tom mics“. Der Sound des MD 421 gerade bei der Drum-Abnahme galt als Vorbild bei der Entwicklung der Kompaktmodelle MD 504 und später e 604.

Das MD 421 war ab den 1960ern eine Legende, ließ es sich doch für Sprach- wie Musikaufnahmen flexibel einsetzen. Spitzname: „King of the tom mics“. Der Sound des MD 421 gerade bei der Drum-Abnahme galt als Vorbild bei der Entwicklung der Kompaktmodelle MD 504 und später e 604.

Von Extras und der meistkopierten Klemme der Welt
Das e 604 entstand dann als Weiterentwicklung. Im Vergleich zum MD 504 ist die XLR-Kabelanbindung eleganter. Das glasfaserverstärkte Kunststoffgehäuse nimmt auch raue Touren und Einsätze locker auf. Aufbau und Wandler blieben unverändert, der Sound markant bis in höchste Pegelspitzen. Auch Extras wie eine Brummkompensationsspule blieben erhalten. Die Spule schützt das Signal durch ein phasengedrehtes Gegenfeld vor Störsignalen anderer Stromverbraucher, wie zum Beispiel Netztrafos, Beleuchtungselektronik oder Dimmer. Der eigentliche Clou aber war und ist die „MZH 604“, die stoßdämpfende Mikrofonklemmhalterung für den Drum-Rand. Sie lässt sich an jeder Bauform anklemmen, bringt mehr Nähe zum Trommelfell, ist nach Sound und Vorliebe frei platzierbar. Was vorher mit Stativ und Kabelführung schnell kompliziert und eng wurde, war jetzt endlich einfach. Nicht umsonst zählt die Klemmhalterung zu den meistkopierten Industriedesigns von Sennheiser.

Ansetzen, einhaken, fertig: Was heute so selbstverständlich scheint, ist Teil der kleinen Revolutionen, die im Rahmen der evolution-Entwicklung entstand. Entwickelt wurde die Halterung im Rahmen der evolution-Serie für das e 604. Damit lichtete sich das Stativ-Labyrinth an den Drumsets deutlich. Die Halterung ist seither eines der meistkopierten Designs von Sennheiser.

Ansetzen, einhaken, fertig: Was heute so selbstverständlich scheint, ist Teil der kleinen Revolutionen, die im Rahmen der evolution-Entwicklung entstand. Entwickelt wurde die Halterung im Rahmen der evolution-Serie für das e 604. Damit lichtete sich das Stativ-Labyrinth an den Drumsets deutlich. Die Halterung ist seither eines der meistkopierten Designs von Sennheiser.

Was aber unterscheidet dann das e 604 vom professionelleren e 904? Der XLR-Anschluss des e 904 ist vergoldet, um 90 Grad gedreht und damit etwas praktischer in der Handhabung. Das Gehäuse ist aus Metall. Im Frequenzverlauf fehlt die „Nase“ ab 2.000 Hertz. Das e 904 stellt sich sehr viel deutlicher in den Dienst einer Gesamtserie, die einen sehr soliden Gesamtmix liefert. „Das ändert aber nichts an den Stärken des
e 604“, sagt Schmitz. „Wer sein Drumset das erste Mal mikrofoniert, bekommt einen extrem dynamischen Sound und ein schlagresistentes Design.“ Und da ist wieder dieses Lächeln. Als ob der Mix auf den Ohren ordentlich wäre. Sehr ordentlich.

Tipps für das e 604 – Drei Details, die den Sound an Tom und Snare verbessern
Die Art, wie das e 604 an Toms und Snares ausgerichtet wird, bestimmt bereits den Sound. Drei Tipps für das erste Setup:

1. Wohin mit dem Mikrofon?
Keine banale Frage. Das Mikrofon wird mit der praktischen Klemme direkt am Rand der Drum eingeklinkt. Rein akustisch gibt es kaum eine Position, die mehr oder weniger geeignet wäre. Ein Großteil der Positionen im unteren Halbkreis (aus Sicht des Drummers) scheiden aus, weil das Mikro schlicht den Sticks im Weg wäre. Wo genau du das Mikro setzt, ist vom Aufbau deines Drumsets abhängig. Achte darauf, dass du entspannt spielen kannst und die Becken nicht an die Stecker stoßen können.

2. Lass den Kopf nicht hängen
Richte den Mikrofonkopf nicht senkrecht im 90-Grad-Winkel auf das Fell aus. Das Mikro hört in dieser Position nicht den Anschlag, sondern betont das „Singen“ des Fells. In den meisten Anwendungen ist das nicht der gewünschte Sound. Um den Attack-Sound gut aufzunehmen, richte das Mikrofon auf die halbe Strecke zwischen Mitte und Rand aus (die Hälfte des Radius). Hier findest du in der Regel einen guten Kompromiss zwischen „Singen“, Nachklang und Anschlag. Im Zweifel gilt natürlich: Ausprobieren und je nach Stil und Musik entscheiden.

Das e 604 kann praktisch überall am Rand der Drum angeclippt werden – es sollte nur nicht den Sticks im Wege sein.

Das e 604 kann praktisch überall am Rand der Drum angeclippt werden – es sollte nur nicht den Sticks im Wege sein.

3. Immer schön tief
Der natürliche Feind der Tom ist das Becken darüber – und der natürliche Feind der Snare die Hihat. Natürlich nur aus Sicht der Mikrofonierung. Es geht um das Phänomen des Übersprechens, also um unerwünschte Anteile aus benachbarten Schallquellen. Deshalb empfiehlt es sich, das e 604 an der Halterung so tief wie möglich an das Fell zu bringen, statt es auf höchster Standardposition zu belassen. So verschiebt sich das Verhältnis zugunsten von Tom und Snare.

Bildrechte: Sennheiser

Kategorien: Economics